Manuskript überarbeiten: 11 Schritte, damit es lektoratsfit ist
Du hast dein Manuskript fertiggeschrieben? Herzlichen Glückwunsch! Das ist ein Erfolg, den du unbedingt feiern solltest.
Bevor du deinen Text ins Lektorat gibst, lohnt sich jedoch eine gründliche Überarbeitung. Dabei lernst du einiges über deine Geschichte und dein Schreiben. Zudem kannst du so bares Geld sparen, weil dein:e Lektor:in nicht mehr optimieren muss, was du selbst schon bearbeitet hast.
In diesem Artikel zeige ich dir 11 Schritte, mit denen du dein Manuskript vorab selbst verbessern und lektoratsfit machen kannst.
1. Lass die Seele baumeln
Gönn dir und deinem Manuskript eine Pause. So schwer es fällt: Leg deinen Text weg. Am besten für einen Monat oder wenigstens für zwei Wochen.
Warum? Weil du zu nah dran bist. Für dich klingt alles logisch und passend, weil du sämtliche Hintergründe kennst und weißt, was jedes Detail bedeuten soll. Erst mit Abstand erkennst du Unstimmigkeiten, fehlende Informationen und holprige Stellen.
Tipp: Notiere in dieser Zeit alles, was dir einfällt: Dinge, die du im Text nachsehen möchtest, alle Fragen, die dir in den Sinn kommen oder Ideen, die du noch einbringen möchtest. Nein, nicht in deinem Manuskript. Nicht pfuschen. Diese Datei bleibt geschlossen. Du kannst eine extra Datei dafür anlegen, eine Notizen-App nutzen oder das gute alte Notizbuch aufschlagen.
2. Lesen
Wenn du Zeit für mehrere Überarbeitungsdurchgänge hast, dann beginne damit, dein Manuskript in einem Rutsch zu lesen. So kommst du dem Erlebnis von Leser:innen am nächsten. Hierbei besserst du keine Kommafehler aus und schreibst auch keine Absätze um, die dir nicht gefallen. Du lässt die Geschichte im Ganzen auf dich wirken.
Tipp: Bleib beim Lesen im Fluss und halte nur knapp fest, was dir auffällt: „Hier fehlt etwas“, „Diese Szene zieht sich“, „Charakter X reagiert unlogisch“.
3. Notizen sichten und sortieren
Ordne deine Beobachtungen. Frag dich, in welche Kategorie deine Anmerkungen gehören:
Tipp: Streiche direkt, was sich bereits erledigt hat, weil es doch nicht relevant ist, du noch eine bessere Idee hattest oder es nicht so funktioniert, wie du zunächst dachtest.
INHALT
Bevor du beginnst Tippfehler zu korrigieren oder Sätze umzuformulieren, solltest du dich dem Inhalt deiner Geschichte widmen. Ja, es ist verlockend mit der sprachlichen Ebene zu beginnen, aber ineffektiv. Was du später streichst, musst du nicht vorher stilistisch optimieren.
4. Plot-Check
Hier geht es um das große Ganze deiner Geschichte. Insbesondere um das übergreifende Thema deiner Story, den Hauptplot und den Spannungsbogen, aber auch um die Subplots und den generellen roten Faden.
Mini-Übung: Schreibe eine einseitige Zusammenfassung der Hauptstory, ohne die Nebenstränge. Klingt die Geschichte immer noch spannend und logisch? Super. Wenn nicht, kannst du hier zuerst ansetzen.
5. Figuren-Check
In diesem Teil widmest du dich der Motivation, Entwicklung und Konsistenz deiner Haupt- und Nebencharaktere.
Werkzeug: Ein einfacher Charakter-Steckbrief hilft dabei. Notiere dir Name, Alter, Aussehen, wichtigster Konflikt, innere Wunden und Entwicklungsschritte. Schon kleine Inkonsistenzen fallen so auf und du kannst alles immer wieder unkompliziert nachschlagen.
6. Welt-Check
Gerade in Fantasy oder Sci-Fi ist Glaubwürdigkeit entscheidend.
Tipp: Fertige eine grobe Karte und eine Faktenübersicht an. Du musst keine Enzyklopädie schreiben, aber große Logiklöcher kannst du mit einer Übersicht vermeiden.
7. Zeit & Raum
Prüfe deine Timeline: Stimmen Tageszeiten, Wochentage, Jahreszeiten? Verspringst du unbeabsichtigt? Orte sollten konsistent beschrieben sein. Wenn die Stadt am Meer liegt, gibt es z.B. Strände und Häfen?
Tipp: Ein Zeitstrahl hilft, Fehler zu vermeiden.
SPRACHE & STIL
8. Show, don’t tell
„Sie hatte Angst“ wirkt schwächer als „Ihre Hände zitterten, Schweiß rann ihr den Rücken hinunter.“ Versuche, Gefühle und Stimmungen zu zeigen, statt sie nur zu benennen.
Übung: Suche fünf Stellen, wo du „war“, „hatte“ oder „fühlte“ benutzt, und beschreibe stattdessen, was sichtbar ist.
9. Dialoge straffen
Dialoge sind Herz und Tempo deiner Geschichte. Vermeide Infodumps wie „Wie du weißt, Bruder, sind unsere Eltern im Urlaub“. Achte darauf, dass jeder Dialog einen Zweck erfüllt: Information, Charakterisierung oder Spannung.
Tipp: Lies Dialoge laut. Holpert es, fehlt oft die Natürlichkeit des Sprechens.
10. Sprache & Füllwörter
Lies einzelne Abschnitte laut und streiche alles, was den Text aufbläht: sehr, irgendwie, plötzlich, ein bisschen. Auch Dopplungen wie „nickte zustimmend“ kannst du reduzieren.
Tipp: Mit der Suchfunktion findest du schnell die typischen Füllwörter.
11. Testleser:innen einbinden
Bevor es ins professionelle Lektorat geht, ist es hilfreich, dein Manuskript an Testleser:innen zu geben. Das sind idealerweise Menschen, die dein Genre lesen.
Tipp: Gib ihnen einen Fragebogen oder Stichworte mit, damit sie wissen, worauf sie besonders achten sollen.
Fazit
Du musst dein Manuskript nicht perfektionieren, bevor du es ins Lektorat gibst. Aber du lernst viel hinzu und sparst Geld, wenn du die oben genannten Punkte vorab prüfst und bearbeitest. Beginne mit etwas Abstand zu deiner Geschichte, mach dir Notizen und geh dann zunächst die inhaltlichen Aspekte durch, bevor du dich um Sprache und Stil kümmerst.
Melde dich gerne jederzeit bei mir, wenn du Fragen hast oder soweit bist, dein Manuskript ins Lektorat zu geben. Ich freue mich darauf, dich und deine Geschichte kennenzulernen.
Hi, ich bin Stephi
als freie Lektorin unterstütze ich Selfpublisher:innen dabei, ihre Manuskripte in unvergessliche Romane zu verwandeln. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf den Genres Fantasy und Romance. Als begeisterte Leserin und Autorin, kenn ich auch diese Perspektiven auf ein Buch und kann mich auf verschiedenen Ebenen in das Schreiben einer guten Geschichte einfühlen und hineindenken.

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